„Wir lieben unsere Arbeit und sind stolz darauf“
Rogelio Ivara Sr. und sein Sohn Rogelio Ivara Jr. bewirtschaften einen Hof in der Nähe der Kleinstadt Ozumba etwa 60 km südlich von Mexiko-Stadt.

Ozumba ist ein Zentrum für den Agrarhandel, Landwirte kommen hierher, um Saatgut, Dünger und landwirtschaftliche Geräte zu kaufen; es gibt Reparaturwerkstätten, Gebrauchtwarenhändler und mehrere Märkte. Mais, Bohnen und Amarant sind die Hauptanbauprodukte, doch mit Obst und Gemüse wie Gurken oder roten und grünen Tomaten lässt sich viel mehr Geld verdienen. Auf ihrem Hof haben sich die Ivaras auf den Anbau traditioneller Mais- und Bohnensorten zur Saatgutgewinnung spezialisiert. Sie arbeiten eng mit etwa hundert Bohnenbauern in der Region zusammen. Einige besitzen mehrere Hektar Land, andere nur 200 Quadratmeter – was einem großen Garten entspricht.
Für die Ivaras ist Landwirtschaft eine Familienangelegenheit. Ivara Sr., heute 60 Jahre alt, war noch ein Teenager, als er begann, seinen Vater als vollwertige Arbeitskraft zu unterstützen. Auch Ivara Jr. stieg schon in jungen Jahren in das Geschäft ein und ist sehr stolz darauf, dass seine vier und sieben Jahre alten Söhne ebenfalls beginnen, sich für den Bohnenanbau zu interessieren. Die Ivaras bauen 35 Bohnensorten für die Saatgutgewinnung an, eine extrem arbeitsintensive Angelegenheit: Saatgutzüchter konzentrieren sich darauf, die besten Samen für die Vermehrung auszuwählen, über die Jahre erhalten sie dadurch Sorten, die gut an die lokalen Bedingungen angepasst sind. Durch Beobachtung und langjährige Erfahrung entwickeln die Züchter ein tiefes Verständnis für das Potenzial einer Sorte: Ist sie dürreresistent, hitzetolerant, kann sie früh oder sehr spät gepflanzt werden - einerseits soll die Vegetationsperiode voll genutzt werden, andererseits sind Beginn und Ende aufgrund der Klimakrise kaum noch vorhersagbar.

Die Ivaras beraten die Bauern, was sie wo am besten anbauen können. Dabei berücksichtigen sie nicht nur Boden- und Wetterbedingungen, sondern auch die Wünsche der Kunden. In Mexiko gibt es Modetrends für Bohnen, eine Sorte, die in einem Jahr stark nachgefragt wird kann im nächsten Jahr zum Ladenhüter werden. Die Landwirte können Bohnen und Mais auf unterschiedlichen Wegen verkaufen: über Auktionen, über den Markt in Ozumba oder direkt an die Ivaras, die durchschnittlich 15 Tonnen pro Jahr abnehmen.

Sie reinigen die Bohnen und verpacken sie in 25-kg-Säcke, bereit zur Abholung durch Großabnehmer. „Wir lieben, was wir tun, und wir sind stolz darauf“, sagt Rogelio Ivara. „Bohnen sind das Rückgrat der Landwirtschaft in dieser Region“. Beim Gemüse sind insbesondere Tomaten eine hochwertige Kultur, mit der man viel Geld verdienen kann - oder gar keines. Ein ungünstiges Wetterereignis, ein Schädling oder eine Krankheit wie Mehltau – und schon ist alles verloren. Bohnen sind nicht nur widerstandsfähiger, sie können auch getrocknet und gelagert werden, was den Bauern hilft, Risiken zu managen und nachhaltiger zu wirtschaften.
Daniel, einer der Erzeuger, mit denen die Ivaras zusammenarbeiten, begann vor fünf Jahren, neben Tomaten auch Bohnen anzubauen. Der Tomatenmarkt war sehr unbeständig geworden: in den seltenen Saisonen, in denen die Ernte gut ausfiel gab es ein Überangebot und die Preise stürzten ab, manche Landwirte mussten Verluste hinnehmen.
Tomaten benötigen eine Stütze, was den Anbau von Bohnen zu einer sinnvollen Zweitkultur macht. Grüne Tomaten können zusammen mit Bohnen angebaut werden, rote Tomaten müssen jedoch abgeerntet sein, bevor die Bohnen gepflanzt werden können.

Zu den Sorten, die in der Region Ozumba angebaut werden können, gehören die wunderschönen, scharlachroten Sangre de Torro, Vaquitas, Amarillos und Palacios. Die Ivaras wissen außerdem aus langjähriger Erfahrung, dass Flor-de-Mayo-Bohnen gut gedeihen und Chinos sowie Peruanos hitzeverträglicher sind.
Ensaladias, auch bekannt als Capuchino-Bohnen, können kaffeefarben sein oder als natürliche Mischung aus Braun, Rosa, Rot und Gelb auftreten. Manchmal gibt es sogar blau gesprenkelte Exemplare, „diese Bohnen sind völlig eigenwillig und jedes Mal eine Überraschung “, sagt Ivaras Jr.. Allerdings benötigen sie etwas mehr Feuchtigkeit als die anderen Sorten.

Über den mexikanischen Exporteur zahlt das BohnenParadies Neue Welt eine Fair Trade-Prämie, um einen Vorschuss zum Zeitpunkt der Aussaat finanziell absichern zu helfen: Im Falle von Ernteausfällen aufgrund extremer Wetterereignisse muss der Vorschuss nicht zurückgezahlt werden. Indem wir das Risiko beim traditionellen Anbau alter Sorten mit absichern, tragen wir dazu bei, das Wissen von Bauern wie den Iveras zu bewahren - Bohnen nachhaltig anzubauen und Sorten an die neue Normalität stark schwankender Anbaubedingungen anzupassen sind Grundvoraussetzungen für die Ernährung künftiger Generationen.