Wenn die Klimakrise zuschlägt … ... findet man Wege, Bohnen anders anzubauen

Juchitepec bedeutet auf Nahuatl „Hügel der Blumen“. Die Region, nur 60 km südöstlich von Mexiko-Stadt entfernt, trägt ihren Namen zu Recht - sie ist wunderschön, aber auch abgelegen. Ohne genaue Ortskenntnisse ist es fast unmöglich, das drei Hektar große Feld zu finden, das Lourdes Linares gemeinsam mit ihrem Mann Roman bewirtschaftet. Lourdes, eine temperamentvolle Frau mit einem breitkrempigen Hut und einem ebenso breiten Lächeln kommt deshalb mit einem Quadbike zum Treffpunkt an einer Tankstelle, um dann auf einer holprigen Schotterstraße vorauszurasen. Roman wartet am Feldrand. Das Paar baut traditionelle Maissorten an, etwas Gerste, Fava Bohnen, die in Mexiko als Snack beliebt sind, und natürlich traditionelle Bohnensorten; Boden und Mikroklima sind ideal für die Sorten Garapate, Ayocote Morado und Negro, sowie die feuerrote Sangre de Torro, Amarillos und Vaquitas.
Bis 2023 hatten sie mit dieser Kombination von Feldfrüchten Erfolg, die Erträge waren gut und das Einkommen aus der Landwirtschaft stabil. Dann änderten sich die Wetterverhältnisse deutlich. Juchitepec liegt auf einer Höhe von 2.500 Metern, der Frühling kommt hier später, und das ganze Jahr über ist es windig. 2024 sahen die Bohnen zunächst hervorragend aus, die Linares hofften auf eine Rekordernte. Doch im September brach Hurrikan John über diesen Teil Mexikos herein, ein verheerender tropischer Wirbelsturm mit Rekordregenfällen und Hagel. „Das Bohnenfeld wurde praktisch eingeebnet, keine Pflanze stand mehr aufrecht“, sagt Roman, „wir ernteten weniger als die Hälfte dessen, was wir uns erhofft hatten“.
The Linares family’s bean field before the flash flood…
…and the disastrous flash flood
Im folgenden Jahr pflanzten Roman und Lourdes in abwechselnden Reihen Favabohnen und alte Phaseolus Bohnensorten. Favabohnen werden hoch, haben starke Stengel und robuste Blätter, das könnte die empfindlicheren alten Bohnensorten vor heftigem Wind, Sturzregen oder sogar Hagel schützen, dachte Roman. Wieder sah es gut aus – bis es im Spätsommer 15 Tage lang ununterbrochener heftig regnete, was zu schweren Überschwemmungen führte. Roman holt sein Handy heraus und zeigt uns das Video, das er aufgenommen hat, als der Regen endlich aufhörte: Es ist ein reißender Wasserstrom zu sehen, der ganze Pflanzen wegspült. „Der größte Teil des Feldes war komplett überflutet, es glich einem Schwimmbecken, und wir konnten absolut nichts tun.“ Nur etwa 10 % der Ernte konnten gerettet werden.

Roman bewältigt die Ernte allein, zusätzliche Arbeitskräfte anzuheuern wäre zu teuer. Er schneidet die Bohnen früh am Morgen, sammelt und bündelt sie. Am Rand des Feldes sind zwischen Pfählen mehrere Reihen Drähte gespannt an denen die Bohnenbündel zum Trocken aufgehängt werden. Entlang des Feldrandes wachsen Obstbäume und Sträucher – es ist der ‚Hausgarten' der Familie, mit Feigen, Pfirsichen, Zitronen und Äpfeln. Dazwischen wachsen Radieschen, Kürbisse, Nopal-Kakteen, Sangre-de-Torro-Bohnen, Chilis, Kamille, Zwiebeln – um nur einige der Obst- und Gemüsesorten zu nennen, die wir sehen. „Wir ernähren uns gut“, sagt Lourdes, „alles, was wir brauchen, können wir hier anbauen“.

Im Gegensatz zu den Bohnen haben die Bäume und das Gemüsebeet sowohl den Hagelsturm von 2024 als auch die Überschwemmungen im folgenden Jahr recht gut überstanden.
Sowohl Roman als auch Lourdes halten die Klimakrise für sehr real: „Wir müssen damit umgehen“, sagt Roman. Aber wie? Das traditionelle Milpa-System, bei dem Mais, Bohnen und Kürbisse zusammen angebaut werden, ist keine Option. Der Mais wächst viel zu hoch und würde schon bei mäßigem Wind umknicken. Könnte er mehr Bäume pflanzen, um die Bohnen zu schützen? Theoretisch ja, aber es würde viel zu lange dauern, bis die Bäume hoch genug wären um dies zu einer praktikablen Option zu machen. Für Roman bleibt der Anbau von traditionellen Bohnen zusammen mit den widerstandsfähigen und robusten Fava-Bohnen noch die vielversprechendste Lösung.

Als die Ernte 2024 ausfiel, mussten sie einen Kredit aufnehmen, um Saatgut zu kaufen. Anfang 2026 hoffen sie die letzten Raten zurückzuzahlen. Über unseren mexikanischen Exportpartner zahlen wir eine Fair-Trade-Prämie, um einen Vorschuss zum Zeitpunkt der Aussaat mitzufinanzieren. Im Falle von Ernteausfällen aufgrund eines schweren Wetterereignisses muss der Vorschuss nicht zurückgezahlt werden. Indem wir das Risiko des Anbaus traditioneller Bohnensorten teilen, können wir Erzeugern wie Roman und Lourdes helfen, ihr Land auch in Zukunft für den Anbau von traditionellen Bohnen zu nutzen.

Der Familienbetrieb könnte wahrscheinlich überleben, wenn sie den Bohnenanbau aufgeben und auf andere Kulturen umsteigen würden. In einem „normalen“ Jahr sind Bohnen nicht nur die rentabelste Kultur, Roman baut sie auch gerne an – sie sind Teil seines Erbes und der Lebensweise ihrer Familie, sagt er. „Lourdes’ und meine Vorfahren haben hier wahrscheinlich schon vor 200 Jahren Landwirtschaft betrieben. Ich arbeite gerne auf diesem Land, hier kann ich durchatmen.“ Während wir reden, lässt er seinen Blick über die Landschaft schweifen, über die hügeligen Felder zur Bergkette in der Ferne, und er zeigt auf erst einen, dann drei Adler, die mühelos über uns segeln.