Traditionelles Wissen und moderne Forschung verbinden

Edgar Montes Silvestre und sein Bruder Pedro bewirtschaften 10 Hektar Land in den Bergen nahe Atlixco, einer schönen Stadt etwa 160 km südöstlich von Mexiko-Stadt. Fünf Hektar sind Pachtland, die anderen fünf gehören ihrem 70-jährigen Vater Pedro, der nach wie vor ein wachsames Auge auf den Hof und die Entscheidungen seiner Söhne hat. Das alte Hofgebäude steht an einem steilen Hang. Wir unterhalten uns im Schatten einer Veranda, die Edgar für Familienfeiern, aber auch für Treffen von Bauern zu Vorträgen und anderen Veranstaltungen bauen ließ.

Aus ihren Ställen im unteren Geschoss des Farmhauses machen die 35 robusten mexikanischen Pelifolk-Mutterschafe und drei Widder auf sich aufmerksam – es ist Zeit zum Füttern. Montes Silvestre verkauft die weiblichen Schafe als Zuchttiere, sie sind ausgezeichnete Mütter, die männlichen Schafe werden geschlachtet - das Fleisch ist wegen seiner Qualität beliebt. Auf sechs Hektar bauen die Brüder traditionellen Mais an, meist weiße, aber auch einige rote und blaue Sorten. Das Haupteinkommen des Betriebs stammt von 150 Avocadobäume, aber es sind die alten Bohnensorten auf die Edgar und Pedro wirklich stolz sind. Die Familie hat einen Hektar mit Buschbohnen, Ayocote Negro und Mantequilla. Auf einem zweiten Hektar werden Rainbow Ayocote, Palacio sowie Vaquita Negros und Rojos in einem traditionellen Milpa System angebaut. Die Methode ist auch als „Drei-Schwestern“-System bekannt, weil Mais, Bohnen und Kürbisse sich gegenseitig im Wachstum unterstützen: Der Mais gibt den Bohnenpflanzen Halt und profitiert vom überschüssigen Stickstoff, den die Bohnen in den Knöllchen ihres Wurzelsystems produzieren, und die großen Blätter der Kürbisse spenden dem Boden Schatten, was hilft, Wasser zu sparen und Unkraut zu unterdrücken. Edgar liebt das Leben auf der Farm und die Arbeit mit dem Milpa-System, die Technik hat er von seinem Großvater gelernt. Wenn er könnte, würde er alle Bohnen auf diese Weise anbauen, aber leider ist das finanziell nicht rentabel: die Buschbohnen liefern einen Ertrag von einer bis eineinhalb Tonnen und die Ernte ist weniger arbeitsintensiv. Im Milpa-System können nur 250 bis 500 kg Bohnen geerntet werden. Wenn er die Pflanzdichte leicht erhöhen würde, könnte er den Ertrag auf etwa eine Tonne steigern, aber da er keinen garantierten Abnehmer für die Bohnen hat, ergibt das für ihn keinen Sinn.

Auch hier sind die Arbeitskosten das größte Problem, und während früher alle in der Region nach dem Milpa-System arbeiteten, tun dies heute immer weniger Bauern. Viele gehen in den Ruhestand, andere finden einfach, dass es zu viel Arbeit für zu wenig Gewinn ist. Was Edgar und Pedro am gemeinsamen Anbau von Mais und Bohnen so schätzen, ist, dass sie Dünger sparen und keine Pestizide einsetzen müssen. Darüber hinaus bietet das Milpa-System eine Risikovorsorge: wenn die Ernte bei einer Kultur nicht gut ausfällt, dann wird das meist durch eine andere Kultur ausgeglichen. Sie müssen keinen Totalausfall zum Beispiel durch Schädlinge fürchten, im Milpa System gibt es immer etwas zu ernten. Die Resilienz innerhalb des Anbausystems ist inzwischen wichtiger denn je. Durch die Klimakrise haben sich nicht nur die Wetterverhältnisse verändert. Früher sanken die Temperaturen in der Region um Atlixco im Winter auf null Grad und im Frühling wurde es ganz allmählich wärmer, sagt Edgar. Heute können die Temperaturen im Februar und März so hoch sein wie in den heißesten Monaten des Jahres, bevor im Juni die Regenzeit beginnt. Es gibt häufiger lange Dürreperioden, extreme Regenfälle führen in tief liegenden Gebieten zu Überschwemmungen. „Wir kommen hier damit zurecht weil unsere Felder an Hängen liegen“, sagt Edgar.

Nach seinem Schulabschluss besuchte Edgar eine nahegelegene Landwirtschaftsschule, in der Hoffnung, dort zu lernen, wie man mit dem Milpa-System effizienter arbeitet. Er war enttäuscht, als er feststellte, dass traditionelle Anbaumethoden in keinem der Kurse auch nur erwähnt wurden und auch von Seiten der Lehrenden niemand Interesse an diesem Thema hatte. „Aber ich habe viel über Pflanzenphysiologie und Bodenbiologie gelernt, ich weiß, wie man den Boden verbessert und die Pflanzen richtig gut düngt“, sagt er mit einem breiten Lächeln. Er ist auch äußerst geschickt in der Saatgut -Erhaltung und wählt dabei Samen von Pflanzen aus, die gut an das lokale Mikroklima und die Bodenbedingungen angepasst sind. Bauern aus seinem Umfeld wissen das sehr gut und kaufen regelmäßig Mais- und Bohnensaatgut bei ihm.

Für Edgar bietet das Milpa-System viele Möglichkeiten, die er gerne nutzen würde, sofern das wirtschaftlich vertretbar ist. Derzeit konzentriert er sich auf ein oder zwei Bohnensorten, die er gut anbauen kann, er braucht zwischen 500 kg bis zu einer Tonne damit sich der Verkauf finanziell lohnt. Edgar könnte Rainbow Ayocote anbauen, eine phantastische Sorte, bei der man in einer einzigen Hülse Bohnen in verschiedenen Farben findet – gelb, weiß, braun oder gesprenkelt. Aber Rainbow Ayocote sind auch kapriziös: da die Hülsen so schwer sind, können sie die bis zu 4m hohe Maispflanzen umwerfen und weil Edgar und Pedro Kürbisse dazwischen pflanzen, müssen sie die Maispflanzen weiter auseinander setzen, was sie anfälliger für Windschäden macht. Doch die Brüder sind bereit, das Risiko einzugehen, wenn es dazu beiträgt, die Tradition der „drei Schwestern“ am Leben zu erhalten. Und das BohnenParadies Neue Welt wird das Risiko mittragen: Über unseren mexikanischen Exportpartner zahlen wir eine Fair-Trade-Prämie, um Darlehen zum Zeitpunkt der Aussaat finanziell abzusichern. Im Falle von Ernteausfällen aufgrund extremer Wetterereignisse muss ein Vorschuss nicht zurückgezahlt werden.

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