Blaue Bohnen und ein uraltes Anbausystem

Die trockenen, spröden Blätter rascheln, als Ernesto Rancaño sich vor uns einen Weg durch sein Feld bahnt. Schon nach wenigen Schritten ist er zwischen den hohen Maispflanzen nur noch zu hören aber nicht mehr zu sehen.

Jetzt, Anfang Dezember, sind die dicken Maiskolben fast reif für die Ernte. Vorsichtig schält Rancaño die äußeren Blätter ab, um die reifen, tief blauen Körner freizulegen, manche sind fast schwarz, einige sind etwas heller und changieren ins Violette. Auf seinem ein Hektar großen Acker baut er nicht nur traditionellen roten, blauen und weißen Mais an, sondern auch alte Bohnensorten, die sich bis ganz oben an den Maispflanzen emporranken. Die Bohnen in den prall gefüllten Hülsen sind riesig und haben eine auffallend blaue Farbe. Ayocote morado ist nur eine von vielen alten mexikanischen Bohnensorten. Normalerweise reicht ihre Farbschattierung von Lavendel bis zu tiefem Violett; ozeanblaue Sorten wie die auf Ernesto Rancaños Feld sind selten. Mais- und Bohnen zusammen anzubauen ist eine traditionelle Methode, Milpa-System genannt. Oft findet man in Milpas auch Kürbisse, weshalb Mais, Bohnen und Kürbisse auch als die „drei Schwestern“ bekannt sind, weil sie sich gegenseitig im Wachstum unterstützen.

Das Milpa System

Die hohen Maispflanzen bieten den Bohnen Halt. Diese wiederum sind, wie alle Hülsenfrüchte in der Lage, ihren eigenen Dünger zu produzieren: Bakterien in ihren Wurzelknöllchen wandeln Stickstoff aus der Luft in Stickstoffverbindungen um, die von der Pflanze direkt aufgenommen werden kann. Da die Bohnen mehr Stickstoff binden, als sie für ihr Wachstum benötigen, kommt der Überschuss den benachbarten Pflanzen zugute – im Milpa-System also Mais und Kürbissen. Die dritte Schwester, die Kürbisse, kommt wiederum den anderen zugute: die großen Blätter spenden dem Boden Schatten. Das unterdrückt nicht nur das Wachstum vom Unkraut, sondern hilft auch, die Bodenfeuchtigkeit zu bewahren – was in einem trockenen, heißen Klima wie dem in Zentralmexiko lebenswichtig ist.

Der Boden auf Rancaños Feld ist sandig und daher für Kürbisse ungeeignet. Stattdessen arbeitet er mit Deckfrüchten, natürlich vorkommenden Pflanzen, die nicht nur den Boden bedecken, sondern auch zu verschiedenen Zeitpunkten während der Vegetationsperiode blühen und Bestäuber wie Bienen, Wespen und Kolibris anlocken.

Im Februar arbeitet er mit zwei Pferden, um das Feld von Vegetationsresten zu säubern und Furchen zu ziehen. Auf den Dämmen werden jeweils drei Maiskörner zusammen mit einer Bohne ausgesät – die Maispflanzen brauchen nur sehr wenig Platz, werden aber sehr hoch. Die Bohnenpflanze windet sich um den Mais und verleiht ihm dadurch Stabilität – die „Drei-Mais-eine-Bohne-Einheiten“ halten sogar starkem Wind gut stand, sagt Rancaño.

Eindämmung der Klimakrise

In den letzten Jahren haben sich die Wetterverhältnisse infolge der Klimakrise verändert: der Beginn der Vegetationsperiode ist oft viel heißer, in manchen Jahren gibt es sehr wenig Regen, in anderen Jahren verursachen Regengüsse Überschwemmungen. Bei einer anhaltenden Dürre können die Bauern wenig tun, aber die Pflugfurchen helfen Rancaño mit zu viel Regen umzugehen: er kann sie vertiefen, das schützt das flache Wurzelsystem des Maises vor dem Verfaulen. Die Deckfrüchte halten den Boden fest und erleichtern das Einsickern des Wassers. Das Milpa-System wäre selbst ohne Kürbisse ideal, wenn nicht von Hand geerntet werden müsste. Fünf Personen brauchen vier Tage, um die Bohnen zu pflücken und den Mais zu ernten. Früher halfen sich die Bauern gegenseitig bei der Ernte, doch inzwischen bauen nur noch sehr wenige traditionelle Mais- und Bohnensorten an. Vor zwanzig Jahren kannte Rancaño über hundert Bauern, die mit dem Milpa-System arbeiteten, heute sind es nur noch etwa 20. Und der Preis, den sie für traditionelle Bohnen und Mais erhalten, ist zu niedrig, um die Kosten für zusätzliche Arbeitskräfte während der Ernte auszugleichen.

Beim BohneParadies Neue Welt zahlen wir für Rancaños Bohnen einen Preis, der es ihm ermöglicht diese Sorte weiterhin anzubauen. Über den Exporteur zahlen wir außerdem eine Fair-Trade-Prämie, um einen Vorschuss zum Zeitpunkt der Aussaat mitzufinanzieren. Im Falle von Ernteausfällen aufgrund extremer Wetterereignisse muss der Vorschuss nicht zurückgezahlt werden. Indem wir das Risiko beim traditionellen Anbau alter Sorten mit absichern, tragen wir dazu bei, das Wissen über die Arbeit mit einem Milpa-System zu bewahren denn es ist nachhaltig und anpassungsfähig. Eigenschaften die dringend nötig sind um mit der neuen Normalität stark schwankender Wetterbedingungen umzugehen.

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